Zusammenfassung

Vorwort

Am Anfang dieses Buches stand eine Kolumne des Verfassers aus dem Jahre 1979. Sie regte den einheimischen Schriftsteller des neu erschienenen Leitfadens der europäischen Keramik an, diesen zueinem ausführlichen Handbuch der böhmischen Keramik zu erweitern. Nachdem der Verfasser eingesehen hatte, wie einfach es ist, die leichte Feder des Kritikers zu führen, fühlte sich der Autor verpflichtet, diesen Leitfaden für die Sammler böhmischer Keramik zu schreiben. Eine erste Rate dieser literarischen Schuld war der Artikel aus dem Jahre 1984 „Vergessene Keramik der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts“. Die anschließende Zusammenstellung von literarischen Nachweisen aller böhmischen Fabriken und ihrer Marken bis zur 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb letztendlich nur ein Manuskript, weil der Autor sich für eine andere methodische Herangehensweise entschieden hatte. Sich mit einer auszugsweisen historischen Lektüre begnügend, wandte er seine Aufmerksamkeit den unerschlossenen, ja sogar scheinbar verschollenen Quellen zu. Um wenigstens der zweiten elementaren Pflicht eines Historikers – der Rückkehr zu den Quellen – nachzukommen, machte sich der Forscher dort ans Werk, wo es Ottocar Weber verließ, als er seine Studie aus dem Jahre 1894 „Die Entstehung der Porcellan– und Steingut– Industrie in Böhmen“ schrieb, die auf Akten der Hofkammer in Wien und des Landesguberniums in Prag basiert. Zum Lohn stieß er dabei auf von O. Weber unentdeckte Quellen. Der beharrliche Geschichtsschreiber, der nach der Agenda der Landesämter noch die Archivalien von Kreis– und Regional–, manchmal sogar auch Bezirks– und Ortsbehörden hinzugezogen hatte, stand hier nach ihrem langjährigen Studium vor der Notwendigkeit, den gesammelten Stoff in jener Form zu verarbeiten, die er von anderen Schriftstellern von Anbeginn an so eindringlich gefordert hatte. Wenn der liebenswürdige Leser dieses Buch wenigstens als eine detaillierte Einführung in das Studium der Geschichte der böhmischen Keramikindustrie im Zeitraum 1748–1948 nimmt, hat der Autor das gesetzte Ziel zu einem Teil erreicht.

Einführung in das Studium der Quellen und Begriffen

Quellen Quellenbasis des Buches sind nicht die Registraturen einzelner Hersteller, sondern die der Ämter, denen die Aufsicht in Fragen des Fabrik–, Firmen–, Patent– und Markenrechts oblag. Hauptgegenstand des Buches sind die im freien Zweig der keramischen Industrie tätigen Firmen, die Firmen mit Fabrikbefugnis, die Firmen mit einem registrierten Firmenwortlaut, die Firmen mit einem Patentbeitrag und die Firmen mit eigenen Marken der Erzeugnissen.

Fabrikaufsicht: Die Entwicklung der Industrie in Böhmen wurde mit der Entwicklung der neuen Landesverwaltung seit 1748, der Kreis– und Bezirksämter, der Handels– und Gewerbekammern und manchen neuen Gesetzen verbunden.

Fabrikrecht: Zwischen unfreien Gewerben, zu denen die Herstellung von Töpferwaren gehörte, und freien Gewerben wurde in Böhmen bis zum Jahre 1859 unterschieden. Zur fabrikmäßigen Ausübung eines bestimmten Gewerbes brauchte man eine Fabrikbefugnis. Sie wurde anfangs vom Herrscher in Wien, nach dem Erlaß des Hofdekrets vom 26.5.1786 dann vom Landesgubernium in Prag erteilt. Die Gewerbeordnung vom 30.12.1859 wurde zur gemeinsamen Rechtsgrundlage der Handwerks– und Fabrikgewerbe.

Handelsrecht: Das Handelsrecht ermöglichte die Aufnahme einer Firma, der Art ihrer Kennzeichnung und des Gesellschaftervertrags in öffentlich zugängliche Bücher. Ihre älteste Form in Böhmen sind die Bücher der Firmen christlicher und jüdischer Handelsleute, die vom Wechsel– und Merkantilgericht in Prag geführt wurden, das im Jahre 1763 als Gericht mit landesweiter Wirkung errichtet wurde. In den Jahren 1851–1857 nahmen die Handelssenate der Landesgerichte in den Kreisstädten die Firmeneintragungen in die Firmenbücher vor, die 1857 durch Handelsprotokolle ersetzt wurden und letztere dann 1863 durch Handelsregister für Firmen einzelner Personen und für Gesellschaftsfirmen. Im Jahre 1873 wurde das Genossenschaftsregister eingeführt. 1906 wurden neue, bis 1948 verwendete Register geschaffen: die Reihe A für Firmen einzelner Personen, öffentlicher Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften, die Reihe B für Aktiengesellschaften und die Reihe C für Gesellschaften mit beschränkter Haftung.

Patentrecht: Mit dem Hofdekret vom 22.1.1810 wurde das bisherige Gewohnheitspatentrecht in einer festen Rechtsnorm verankert. Zum Schutz der Rechte der Erfinder gab der Herrscher Privilegurkunden heraus, die ihnen die ausschließliche Erzeugung von Gegenständen gemäß ihren Entdeckungen und Erfindungen garantierten. Zum besseren Rechtsschutz wurde 1817 die getrennte Aufbewahrung der versiegelten Erfindungsbeschreibungen im Archiv der Technischen Universität zu Wien eingeführt. Mit dem Hofdekret vom 8.12.1820 wurde das System zur Erteilung von Privilegien für Entdeckungen, Erfindungen und Verbesserungen noch ausführlicher geregelt. Ein zuerkanntes Privileg ersetzte eine Fabrikbefugnis. Im Jahre 1832 wurden Änderungen im Schutz von ausländischen Erfindungen vorgenommen. Mit dem Patent von 1852 wurde die Erteilung von Privilegien an das Handels– und Gewerbeministerium abgetreten, in dessen Archiv die Beschreibungen neuer Erfindungen aufbewahrt wurden. Mit dem Gesetz von 1897 wurde das k. k. Patentamt in Wien mit der Zuerkennung von Patenten beauftragt. Das Patentgesetz mit seinen späteren Nachträgen galt auch nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik im Jahre 1918.

Markenrecht und 0.1.6 Musterrecht: Schutzmarken der Hersteller entwickelten sich aus der früheren Pflicht, festgelegte Waren zum Schutz des Marktes und des Verbrauchers mit dem Zeichen des Erzeugers und des Aufsichtsamtes zu versehen. Für keramische Erzeugnisse galt die Kennzeichnungspflicht nicht einmal nach dem Erlaß des Patents vom 8.11.1792 über die kommerzielle Warenkennzeichnung, mit der in der Literatur die angebliche Pflicht zur Kennzeichnung von Porzellanwaren verbunden wird. Das Gesetz hat zwar die Kennzeichnung keramischer Erzeugnisse mit einer eigenen Fabrikmarke zugelassen, jedoch nicht vorgeschrieben. Der Schutz der gewählten Fabrikmarken wurde mit dem Patent Nr. 230 vom 7.12.1858 eingeführt. Die Eintragungen der Schutzmarken nahmen die Handels– und Gewerbekammern vor. Eine Neuregelung des Markenrechts brachte das Gesetz vom 6.1.1890. Der Schutz der Industriemuster wurde mit dem Gesetz Nr. 237 vom 7.12.1859 eingeführt.

Begriffe Dieser Abschnitt beschreibt die historische Entwicklung einzelner Begriffe und definiert ihren Inhalt, in manchen Fällen abweichend von der tschechischen Literatur. Die mit bestimmten keramischen Arten verbundenen Bezeichnungen und ihre Übersetzungen sind also keine verbindlichen Fachausdrücke, sondern erforderliche stilistische Mittel zur Unterscheidung von keramischen Arten innerhalb der keramischen Klassen und Gruppen.

Chronoligsches Wörterbuch der Geschichte der Böhmischen Keramikindustrie

Gegliedert nach keramischen Klassen (1.1 Porösware, 1.2 Sinterware) und deren Gruppen (1.1.1 Töpferware, 1.1.2 Majolikaware, 1.1.3 Echtfayenceware, 1.1.4 Fayenceware, 1.1.5 Terralith– und Siderolithware; 1.2.1 Steinzeugware, 1.2.2 Wedgwoodware, 1.2.3 Porzellanware) enthält dieser Abschnitt fast unbekannte Texte aus den Jahren 1748 – 1848, die besonders aus Urkunden des Landesguberniums geborgen wurden. Sie stehen als Beiträge für ein eingehendes monographisches Studium der Wegbereiter in der Keramikindustrie und sind zeitlich nach dem Entstehungsjahr der Werkstätten geordnet.An diese Berichte schließt sich eine Übersicht über die Erfindungen an.

Ortkundliches Wörterbuch der Geschichte der Böhmischen Keramikindustrie

Wörterbuch der Firmen und Marken

Das alphabetisch geordnete ortskundliche Wörterbuch der keramischen Fabriken, Werkstätten oder Handlungen, ihrer Firmenbezeichnung und ihrer Warenmarken und –zeichen enthält kursiv gedruckte Stichwörter für ggf. vorhandene historische deutsche Ortsnamen mit einem Hinweis auf die entsprechenden tschechischen Ortsnamen (Asch v. Aš), der als Sachstichwort fett gedruckt ist (). Nach dem Ortsnamen () stehen die Firma in Kursivschrift (K. Wolfrum), der Tetigkeitsbereich (fotografie na porcelánu) und schließlich die Zeitangabe der ersten bekannten Erwähnung (dol.1868). Diese gibt entweder das Gründungsjahr (zal.), das Jahr des ersten urkundlichen Belegs (dol.) oder der Erwähnung in der Literatur an (cit.). Die tschechischen Stichwörter Zápis firmy oder Zápis Živnosti und Výmaz firmy oder Výmaz živnosti (Firmeneintragung oder Gewerbeeintragung, Firmenlöschung oder Gewerbelöschung) begrenzen den Zeitraum,in dem die Firma im Handelsregister oder Gewerberegister geführt wurde, der aber nicht immer mit der Dauer der wirklichen Tätigkeit identisch sein muß. Zu diesen Stichwörtern wurden ergänzende Angaben aus verschiedenen zusätzlichen Quellen aufgenommen. Im dritten Satz folgt das Datum der Entstehung der Firma als öffentliche Handelsgesellschaft (v.o.s.), Kommanditgesellschaft (k.s.), Gesellschaft mit beschränkter Haftung (s.r.o.), Aktiengesellschaft (a.s.), Genossenschaft (dr.p.) oder volkseigene Betrieb (n.p.). Bei den vor 1848 entstandenen Firmen ist an dieser Stelle in der Regel das Datum der Erteilung der Fabrikbefugnis angegeben. Falls es in ein und demselben Ort mehrere Fabriken oder Werkstätten und Keramikhandlungen gab, wird der Ortsname als ein neues Sachstichwort wiederholt. Handelt es sich in ein und demselben Ort bei ein und derselben Fabrik (Werkstätte, Handlung) nachweislich nur um Veränderungen der Firmen, sind diese verschiedenen Firmen in der zeitlichen Reihenfolge der Veränderungen unter einem Ortsnamen aufgeführt, der nicht wiederholt wird. Hinter jeder Firma ist auf der rechten Seite der Spalte eine sechsstellige Nummer aufgeführt (003021), wobei die ersten drei Zahlen (003) die laufende Nummer des Ortsnamens ist, die folgenden zwei Zahlen (02) die laufende Nummer des Betriebs in ein und demselben Ort, die letzte Zahl (1) bzw. der letzte Buchstabe (A) die laufende Nummer der Firma eines bestimmten Betriebs. Analog werden die Firmenmarken numeriert, die einen zweistelligen Zusatz für die Markenreihen erhalten. In einen eventuellen zweiten Absatz wurden in Kursivschrift Angaben aus damaligen Adreßbüchern und Ausstellungskatalogen eingeordnet, der letzte Absatz führt kursiv gedruckte Angaben zu den Fabrikmarken auf.

Markenlexikon

Die Übersicht über die Fabrikmarken und –zeichen ist bei den Buchstaben– und Wortmarken alphabetisch und für rein bildliche Marken nach Symbolen geordnet. Jede Marke hat eine Nummer, die mit der laufenden Nummer des Ortes, der Fabrik, der Firma und der Marke im Wörterbuch der Firmen und Marken 2.1 übereinstimmt. Nach dieser Nummer kann man zu der im Abschnitt 2.2 aufgeführten Marke den entsprechenden Text im Wörterbuch des Abschnitts 2.1 nachschlagen.

Quellen und Literatur

Unter Punkt 4.1 sind die Archivfonds aufgefhrt, unter Punkt 4.2 die Editionsfonds und unter Punkt 4.3 die Fachliteratur, die bei der Arbeit an diesem Buch genutzt wurden.